Vegan und Fructosearm – Interview mit Anita Lamm

Published On 24. März 2014 | By Toby | Interviews

Vor kurzem bin ich auf Facebook über die Seite „Vegan und Fructosearm“ gestolpert und habe mich ganz begeistert in die Rezepte dort eingelesen. Da ich kein Veganer bin und bisher auch die Meinung hatte, dass eine vegane Lebensweise und eine Fruktoseintoleranz nicht miteinander zu vereinbaren sind, habe ich mich an Anita Lamm gewandt. Sie betreibt die Facebookseite „Vegan und Fructosearm“ und kann uns sicher einiges zum Thema veganes Leben mit einer Fruktoseintoleranz erzählen.

Hallo Anita,

 

Mit Interesse verfolge ich deine Rezepte, die du auf deiner Facebookseite postest und das, obwohl ich mich nicht vegetarisch oder vegan ernähre. Mir stellen sich jetzt natürlich einige Fragen, denn oft denkt man ja, dass die Kombinatoin von veganer Ernährung und einer Fruktoseintoleranz ziemlich viele Probleme mit sich bringen müssten.

 

Ich fange gleich mal mit einer sehr klischeebehafteten Frage an: Gemüse und Obst gehen bei dir auch nur eingeschränkt, also was isst du eigentlich?
Ich kann noch jede Menge essen, wichtig ist das es frisch ist und nichts aus der Dose: Brokkoli, Lauch, Chinakohl, Weißkohl, Grünkohl, Kohlrabi, Erbsen, Lauchzwiebeln, Knoblauch, Stangensellerie, Sellerie, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Pastinaken, Möhren (nicht zu viel), Artischocke, Fenchel, Auberginen (nicht zu viel), Blumenkohl, frische Bohnen, Chicorèe, Salatgurken, Radieschen, Rhabarber, Rettich, Rosenkohl, Blattsalate, Spargel, Blaubeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Zitronen (nicht zu viel), Melonen (nicht zu viel). Hirse, Buchweizen, Amaranth, Reismehl, glutenfreie Haferflocken, Hirseflocken, Buchweiznflakes, Kichererbsenmehl, Hanfmehl, Lupinenmehl, Chia- und Hanfsamen, Pistazien, Sonnenblumen-, Cashew-, Kürbiskerne. Reisnudeln, Buchweizennudeln, Reis, Tofu (nicht zu viel), Quinoa, Hülsenfrüchte (nicht zu viel). Frische Kräuter, Meer- oder Ursalz, Kurkuma, Kreuzkümmel, Kardamon, Muskat, Kümmel, Anis, Ingwer, Traubenzucker, Natron, Weinsteinbackpulver, echte Vanille, Reissirup.
Hocherhitzbare gute Öle zum braten (ausser Walnuss- und Sesamöl), Leinöl, Olivenöl, Rapsöl, pflanzliche Margarine.
Stilles Wasser, Kräutertee`s ohne Aromen, Basentee, Reisdrink, glutenfreier Haferdrink

 

Kannst du uns mal erklären, auf was du beim Einkaufen achtest?
Ich achte auf frische Lebensmittel, kaufe keine Fertigprodukte und möglichst in Bio-Qualität. Gewürzmischungen zum Beispiel meide ich, weil man nie sicher sein kann was die Industrie alles reinpackt ohne es deklarieren zu müssen. Ich schaue immer auf die Zutatenliste aber es gibt sowieso nicht mehr viele Produkte, die ich kaufe wo eine Zutatenliste erforderlich ist.

 

Was ist das Wichtigste bei der Zubereitung von veganen Gerichten?
Das wichtigste ist, dass keinerlei tierische Zutaten drin sind – also auch kein Honig etc. Wenn man „normale“ Rezepte umarbeitet, kann man anstatt Milch zum Beispiel einen Reisdrink nehmen und anstatt Butter Margarine, anstatt Hackfleisch Sojaschnetzel usw.

 

Vor kurzem habe ich auf Spiegel Online ein Interview gelesen, in dem von der „unheimlich komplizierten und anstrengenden veganen Ernährung, voll von Verboten“ gesprochen wird. Ist das wirklich so?
Ich finde die vegane Ernährung überhaupt nicht kompliziert. Wenn man sich erst einmal damit befasst hat (welche Nährstoffe wo drin sind, was man anstelle von Tierprodukten nehmen kann) ist es total einfach. „Verbote“ hört sich doof an, ich ernähre mich vegan weil ich es möchte und nicht weil ich keine Tierprodukte essen dar. Also kann mir das auch keiner verbieten. In der veganen Ernährung vermisse ich nichts, man findet auch in rein pflanzlichen Gerichten den Genuss. Es ist eine Einstellungssache. Hat mal ein Gericht nicht so geschmeckt, versuche ich es beim nächsten mal eben ein wenig anders zu machen bis es mir persönlich schmeckt, es gibt eine so große Vielfalt in der veganen Küche- da findet man immer was, wenn man ein wenig herumexperimentiert.

 

Wird das mit der Diagnose FI nicht noch schlimmer?
Nein!!! Fructoseintoleranz wird durch die vegane Ernährung nicht schlimmer, man darf nur nicht mehr alles essen und die vegane Ernährung ist wissenschaftlich bewiesen die gesündeste Ernährung überhaupt.

 

Hattest du nach deiner Diagnose Zweifel ob eine fruktosearme und vegane Ernährung funktionieren werden?
Nein! Ich hatte nie Zweifel daran, dass diese Ernährungsform bei mir funktionieren wird. Wenn man wirklich etwas will, dann findet man einen Weg und da ich mich vegan ernähren möchte finde ich auch immer genug zum essen. Ich selbst gehe seit den Diagnosen anders mit Nahrungsmitteln um. Ich freue mich über die Sachen, die ich noch essen darf und bin total glücklich dass darunter einige meiner Lieblingszutaten sind (Kartoffeln, Rhabarber, Spargel, Knoblauch z. Bsp.). Ich schätze das essen mehr als früher und genieße mehr.

 

Deine Rezepte stellst du ja auch Facebook auf der Seite „Vegan und Fructosearm“ vor. Erzähl uns doch mal was dahintersteckt.
Meine Seite habe ich angelegt, weil ich im Netz nicht wirklich befriedigende vegane- und fructosearme Rezepte gefunden habe. Zum einen habe ich sie erstellt, weil ich ständig gefragt wurde „Was kannst du denn noch essen?“ und zum anderen habe ich so immer mein „privates Kochbuch“ im Internet mit dabei um mir mal eben ein Rezept rauszuholen. Wenn ich zum Beispiel in meiner alten Heimat bin und bei meiner Cousine kochen möchte, dann kann ich das spontan auch machen. Ausserdem möchte ich anderen vegan-lebenden Menschen mit einer Fruktoseintoleranz Mut machen, dass es auch nach der Diagnose weitergeht und man sich lecker ernähren kann.

 

Welche persönliche Motivation hast du dafür?
Seit der Diagnose probiere ich immer wieder herum und wenn mir etwas gelingt, was mir wirklich schmeckt, dann möchte ich auch andere Menschen daran teil haben lassen. Deshalb kommen auch nur Rezepte auf meine Facebookseite, die ich selbst für gut befunden habe. Ich habe auch die Erfahrung gemacht das man als veganer den Geschmackssinn verändert und seit ich mich immer mehr einschränken muss finde ich, dass dieser immer intensiver wird. Deshalb kann es natürlich sein, das einem Nicht-Veganer das ein oder andere Gerichte nicht schmeckt.

 

Welche drei vegane Rezepte von dir sollen wir unbedingt testen?
Frühstück: Rhabarber-Frühstücksbrei – das ist momentan mein Lieblingsfrühstück!
Mittag: Gemüse-Nudel-Auflauf – den darf ich so leider nicht mehr wegen den Gluten und den Histamin, meine Version ist jetzt mit Buchweizennudeln und ich lass die Hefeflocken weg.
Kuchen: Ananas-Kokos-Schnitten – aber die sind leider auch nicht mehr möglich für mich wegen Gluten und Histamin, inzwischen esse ich gar keine Kuchen mehr aber wenn ich für die Familie backe ist dies auch bei den nicht-veganern der Hit!

 

Jetzt hattest Du dich gerade gut auf die vegane und fruktosearme Ernährung eingestellt und schon bekommst Du weitere Intoleranzen diagnostiziert bekommen. Was ändert sich für dich jetzt zusätzlich noch bei in deiner Ernährung?
Zuerst dachte ich „Na toll, jetzt fange ich wieder von vorne an…“ aber da ich ein positiv denkender Mensch bin und ich immer eine Lösung finde, ging ich die Sache ganz ruhig an. Klar, am Anfang muss man viel googeln und in speziellen Foren bekam ich auch jede Menge Infos. Aber umso mehr man sich mit den Intoleranzen auseinandersetzt, desto einfacher wird es. Es kommt zwar immer mal wieder vor, dass ich etwas nicht vertragen habe und ich darunter leide aber daraus lerne ich dann. Beim Gemüse musste ich mich nicht so sehr einschränken, überwiegend alles was grün ist, geht gut. Beim Obst gab es ein paar Einschränkungen, aber damit kann man leben. Ich baue jetzt im Garten an, was ich essen kann. Alles in allen hörte sich am Anfang alles total kompliziert an aber rückblickend wars dann gar nicht so. Man muss sich halt die nötigen Infos reinziehen und viel ausprobieren. Dann ist es leicht damit zu leben.

 

Das bedeutet, die Rezepte auf deiner Facebook Seite sind weiterhin alle fruktosearm, aber Du beachtest jetzt zusätzlich auch noch nach weiteren Intoleranzen?
Ja sicher sind die Rezepte weiterhin fructosearm und vegan aber zusätzlich auch histaminarm und glutenfrei. Wenn ich sie selbst ausprobiere dann müssen sie es sein sonst bekommen sie mir nicht 😉

 

Vielen Dank für das Interview!

Alle Leser, die sich für vegane und fruktosearme Rezepte interessieren sollten mal die Facebook Seite Vegan und Fructosearm von Anita Lamm besuchen. Dort findet Ihr viele gute Anregungen rund um das Thema…

vegan-fructosearm

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7 Responses to Vegan und Fructosearm – Interview mit Anita Lamm

  1. Anita Lamm says:

    Vielen Dank für dein Interesse 🙂

  2. Anita Eichhors says:

    Inzwischen kann ich berichten das die Glutenintoleranz so gut wie weg ist und sich die anderen Intoleranzen auch weitaus gebessert haben 🙂
    Ich vertrage jetzt wieder mehr als damals und wünsche allen die Intoleranzen haben das es auch bei ihnen besser wird.

  3. Nicole Dölling says:

    Bin immer wieder begeistert wenn man ich auf dieser Seite bin!!

  4. Anita Eichhorst says:

    Hallo, ich bin mal wieder über mein altes Interview gestolpert und wundere mich das es immer noch im Netz ist, freu mich aber sehr darüber denn so kann ich euch mitteilen das ich wieder vollkommen gesund bin dank meinem Naturheilkundearzt der mich 8 Monate gut betreut hat. Als Veganerin habe ich das allerdings nur an veganen Lebensmitteln ausprobieren können aber ich habe bei keinem Lebensmittel mehr Probleme, vertrage alles sehr gut und bin heilfroh das ich den Weg gegangen bin den mir mein Bauchgefühl „gesagt“ hat. Man muss sich selbst um seine Gesundheit kümmern und nicht auf die Schulmedizin vertrauen, die hatte in meinem Fall total versagt. Liebe Grüße, Anita (inzwischen verheiratet und nun nicht mehr „Lamm“ mit Nachnamen)

    • Toby says:

      Hallo Anita,

      ja wieso sollte das Interview nicht mehr im Netz stehen. Es ist nach wie vor interessant und bringt für viele immer noch neue Aspekte in ihre Lebensweise. Freut mich, dass du wieder gesund bist…wie du das geschafft hast, würde sicher viele interessieren. Genauso, bei welchem Arzt du warst…vielleicht schreibst du mir das mal und ich schaue ob ich die Infos wieder in einem schönen Artikel verpacken kann.

      Viele Grüße

      Toby

      • ANITA says:

        Hallo Toby, erstmal hatte ich ja die Ernährung umgestellt und alles weggelassen was Beschwerden auslöste, dann hatte ich den richtigen Naturheilkundearzt durch eine Kollegin gefunden. Dieser hatte alle 4 Wochen Akkupunktur und Bestrahlungen bei mir gemacht, einen speziell für mich zusammengemischten chin. Heilkräutertee verschrieben und verschiedene Vitaminpräparate verordnet weil ich durch die Intoleranzen Mangelerscheinungen hatte (z. Bsp. B12, D3) und außerdem habe ich noch eine Quecksilberausleitung unter seiner Aufsicht gemacht. Die Adresse ist die: http://www.praxis-kempfle.de/ Dann habe ich auch noch alles dafür getan um das Immunsystem zu stärken: Joggen und Radfahren bei jedem Wetter, Yoga (Stressbewältigung) und immer positiv denken.
        Wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest 🙂

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